Blogeintrag vom 11. Oktober 2014

Der optimale Schuh

Nachdem ich bereits in meinem Eintrag vom 17. September 2014 ausführlich auf das Thema gesunde Schuhe eingegangen bin, habe ich mich in den letzten drei Wochen noch einmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei habe ich unter anderem verschiedene eigene Tests durchgeführt, insbesondere im Bereich Schuhhärte, Dämpfung und Innensohlen, und mich so zur "Wahrheit" hochgearbeitet (bei meinem ersten Eintrag war ich noch ziemlich neu in dem Thema). Nachfolgend meine aktuellen Erkenntnisse zum optimalen Schuh.

Der optimale Schuh muss mindestens folgende sieben Bedingungen erfüllen (bei den meisten kommt natürlich noch ein achter Punkt hinzu, für viele der wichtigste überhaupt: der Schuh muss einem gefallen):
1. Kein Absatz
2. Ausreichend Platz im Zehenbereich (vorne breit)
3. Eine dünne, flexible Sohle (verdreh- und zusammenfaltbar)
4. Ein Mindestmass an Dämpfung (beim Vorfussgang/Ballengang und auf weichen Unterlagen nicht notwendig)
5. Geringes Gewicht (der Schuh ist sehr leicht)
6. Ökologische und soziale Produktion ohne Gifte (hautfreundliches, möglichst natürliches und sicheres Material)
7. Der Schuh muss sich bequem anfühlen und guten Halt bieten (kein Herumrutschen im Schuh, keine Nähte die drücken usw.)

Meine wichtigste Erkenntnis und Veränderung der letzten Wochen lag darin, dass ein Mindestmass an Dämpfung der Schuhe zentral für die Laufqualität und das Wohlbefinden sind. 4 bis 6 mm Sohlendicke mit sehr gut dämpfendem Material wie beispielsweise Vibram sind in der Regel ausreichend, dazu allenfalls noch eine dünne, ebenfalls dämpfende Innensohle (die Innensohle ist nicht zwingend notwendig). Verschiedene so genannte Barfussschuhe besitzen praktisch gar keine Dämpfung und stellen sozusagen das andere Extrem, den Gegenpol, zu den heutzutage oft zu stark gedämpften, gestützten und mit starren Sohlen versehenen Schuhen dar. Allerdings gilt hier: Wer sich den Vorfussgang/Ballengang aneignet (der Vorfuss setzt zuerst auf), der braucht überhaupt keine Dämpfung, da die Federung in Fussgelenk, Muskeln, Sehnen und Bändern stattfindet.

Qualitativ hochwertige Schuhe, welche zumindest die ersten sechs der obigen Bedingungen weitgehend erfüllen (die siebte Bedingung, Bequemlichkeit und Halt, muss jeder für sich selbst herausfinden) und auch noch sehr gut aussehen, sind die Nimbletoes von Joe Nimble, die von der deutschen Schuhdynastie-Familie Bär entwickelt und produziert werden, welche bereits seit 30 Jahren gesunde Schuhe in Top-Qualität anbietet. Die nach Joe Nimble benannten Schuhe (Joe Nimble hat die Idee und den Anstoss für diese Schuhe geliefert) sind eine Eigenmarke der Familie Bär und natürlich auch direkt bei Bär Schuhe erhältlich. Natürlich gibt es weitere geeignete Schuhe von anderen Herstellern im sich schnell entwickelnden Markt der Barfussschuhe. Wim Luijpers, Lauftrainer und Autor mehrerer Bücher (unter anderem Die Heilkraft des Gehens), empfiehlt die Schuhe von Vivobarefoot. Eine Übersicht über verschiedenste Barfussschuhe findet sich unter www.barfuss-schuhe.org

Sehr entscheidend ist, dass sich der Schuh bequem anfühlt und einen guten Halt bietet (Punkt 7 der obigen Bedingungen). Ist das nicht der Fall, sind alle anderen Punkte Schall und Rauch. Jeder Fuss ist anders. Ein sehr schmaler Fuss wird sich in einem zu breiten Schuh nicht wohl fühlen (herumrutschen) und umgekehrt. Bei schmalen Fersen kann der Schuh auch im hinteren Bereich zu breit sein usw. Tatsächlich scheint bei vielen Schuhen das Fersenteil zu breit zu sein.

Für Personen, die bereits geschädigte Füsse, Krankheiten, Geburtsgebrechen usw. haben, müssen obige Bedingungen nicht (vollumfänglich) gelten. Beispielsweise kann für Leute mit Arthrosen, Instabilitäten und Unfallfolgen eine steifere Sohle besser sein, für Personen mit Durchblutungsstörungen oder Diabetes eine weiche, gut gepolsterte Einlage usw. Buchtipp für Leute mit Problemfüssen: "Gut zu Fuss ein Leben lang" von Dr. Christian Larsen (Spiraldynamik).

Anmerkung/Nachtrag vom Juli 2017: Ich bin vor kurzem auf das herausragende Buch Die Heilkraft des Gehens von Wim Luijpers gestossen. Die in diesem Buch enthaltenen Wahrheiten relativieren meine Aussagen, dass bei Mittelfussgang und harter Unterlage eine gewisse Dämpfung empfehlenswert bzw. notwendig ist (Luijpers empfiehlt für alle Unterlagen ungedämpfte Schuhe und ein flaches Aufsetzen der Schuhe auf dem Boden = Mittelfussgang). Lesen Sie dieses Buch und finden Sie mit den darin gezeigten Übungen zu Ihrer eigenen Wahrheit und zurück zu einem natürlichen Gang.

Leder statt Plastik

Das Top-Material für Schuhe ist in meinen Augen nach wie vor Leder. Leder ist auch ein leitendes Material. Das bedeutet: Im Gegensatz zu einer Gummisohle/Kunststoffsohle lässt eine Ledersohle die starke Energie der Erde durch unseren Körper strömen und verbindet uns mit Mutter Erde, die wie eine Batterie ist, die unsere Energie auflädt. Der moderne Schuh, der seit den 1960-er Jahren mit Gummi und Plastik besohlt ist, trennt uns von der Erdenergie. Noch stärker und direkter mit der heilenden Kraft von Mutter Erde verbunden sind wir beim Barfussgehen. Siehe auch den Artikel Erden - gesund und vital durch barfuss laufen.

Da Gummi- und Plastiksohlen uns von der Erdenenergie trennen, müsste ich den oben genannten sieben Bedingungen für den optimalen Schuh eigentlich noch eine achte Bedingung anfügen, und zwar 8. Die Schuhsohle besteht aus Leder. Auch die oben angesprochene Sohle aus Vibram ist eine Gummisohle und somit ein Kunststoff. Und auch die von mir oben empfohlenen Schuhe von Joe Nimble haben meines Wissens aktuell alle noch eine Gummisohle (oder gibt es bereits welche mit Ledersohlen?). Wie auch immer: Die Entwicklung des optimalen Schuhs ist derzeit mit Sicherheit noch nicht abgeschlossen, weiteres Verbesserungspotential ist vorhanden.

Sind normale Schuhe schlecht für unsere Gesundheit?

Warum trägt der Mensch überhaupt Schuhe? Schliesslich gingen unsere Ahnen während Hunderttausenden von Jahren barfuss (allerdings nicht auf Asphalt). Heute werden unsere Füsse von Kindesbeinen an in Schuhe gezwängt, die meist mehr einem von der Mode vorgegeben Ideal entsprechen als den Bedürfnissen unserer Füsse. Die üblichen Schuhe sind in der Regel zu steif, zu eng (im Zehenbereich) und häufig (besonders bei Frauenschuhen) mit Absätzen versehen. Das hat Folgen für unsere Füsse: Die Muskulatur wird entweder gar nicht erst ausgeprägt oder bildet sich zurück und verkümmert. So haben mittlerweile viele Menschen eine mehr oder weniger ausgeprägte Fussfehlstellung (Knick- und Senkfüsse, Spreizfüsse, Fersensporn, Hallux Valgus, Hammerzehe, Hühneraugen, Achillessehnenreizung etc.) Unsere natürlichen Dämpfungsmechanismen sind überlastet, die Folgen falscher Schuhe und der "modernen" Lebensweise führen zu einer unnatürlichen Haltung wie Hohlkreuz, vorne übergebeugtem Gehen, Rückenproblemen, Schwächung des Fussgewölbes, schwach ausgebildeter Fussmuskulatur, verkürzter Wadenmuskulatur, Abknicken des Fusses nach innen, Fersengang etc.

Um die bereits geschwächten Füsse zu schonen entwickelte man Schuhe und Einlagen, die mithilfe verschiedener Technologien die Füsse dämpfen, stützen und führen ... und verstärkte das Problem der untrainierten Füsse damit zusätzlich. Auf diese Technologien könnten wir verzichten, wenn wir konsequent barfuss gehen, uns regelmässig bewegen und gesund ernähren würden. Beim Barfusslaufen wird der Fuss in der Regel instinktiv anders aufgesetzt, und durch die körpereigenen Dämpfungsmechanismen ist die Belastung geringer als mit gedämpften und geführten Schuhen.

Der optimale Schuh sollte dem Barfusslaufen also möglichst nahe kommen. Er sollte den Fuss lediglich vor spitzen Gegenständen und Verletzungen schützen, sich ansonsten aber so anfühlen wie beim Barfusslaufen. Dafür wurden die so genannten Barfussschuhe entwickelt (diese Schuhe heissen so, weil das Gefühl in diesen Schuhen dem Barfusslaufen möglichst nahe kommt, und nicht, weil man darin barfuss geht). Aber Achtung: Nicht überall wo Barfussschuh draufsteht ist auch Barfussschuh drin.

Mittelfuss- und/oder Vorfussgang (Ballengang) sind ideal

Der Vorfussgang/Ballengang, beim dem der Vorfuss zuerst aufsetzt, ist der weichste Gang und derjenige, für den die so genannten Barfussschuhe eigentlich gemacht sind. Beim Vorfussgang findet die gesamte Dämpfung durch die eigenen Federn und Hebel in den Füssen und Beinen statt (Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder). Der Vorteil der "echten" Barfussschuhe mit minimalster beziehungsweise gar keiner Dämpfung besteht darin, dass ein falscher Gang (Fersengang, die Ferse setzt zuerst auf), aufgrund der härteren Schläge, besser und schneller erkannt wird. Dadurch stellt man (hoffentlich) eher auf den gesünderen Mittelfussgang um (Vorfuss und Ferse setzen gleichzeitig auf), oder noch besser, eignet sich den Ballengang (Vorfussgang) an. Mit einer einigen Millimeter dicken, gut gedämpften Einlegesohle sind die völlig ungedämpften "echten" Barfussschuhe im übrigen auch für harte Unterlagen (Asphalt) und Mittelfussgänger geeignet. Beim Vorfussgang ist die Einlegesohle, wie bereits angetönt, nicht notwendig.

Anmerkung/Nachtrag vom Juli 2017: Lesen Sie Wim Luijpers Buch Die Heilkraft des Gehens und finden Sie Ihre eigene Wahrheit (oder besuchen Sie ein Seminar von Luijpers). Luijpers und seine Bücher dokumentieren eine höhere Wahrheit, als ich sie zum Zeitpunkt der Niederschrift des Textes auf dieser Seite verkörperte.

Vorsicht bei der Umstellung

Unsere verwöhnten Wohlstandfüsse müssen sich zuerst wieder an menschengerechte Schuhe und den entsprechenden Laufstil gewöhnen. Also bitte am Anfang nicht übertreiben. Zuerst nur kurz mit den neuen Schuhen und dem neuen Laufstil gehen. Langsam steigern. Wer zu viel zu schnell will, schadet sich mehr als er nützt. Am gesündesten ist natürlich das Barfusslaufen völlig ohne Schuhe. Sie können sich beispielsweise daran gewöhnen zu Hause barfuss oder nur in Socken zu gehen. Ausserdem sehr empfehlenswert: Ein gezieltes Training der Fussmuskulatur (Fussgymnastik) und ein generelles Krafttraining.

     

Gesunde Schuhe und korrekte Geh- und Lauftechnik

Fussgymnastik / Fusstraining

Gesunde Schuhe und korrekte Lauftechnik: Anmerkungen für Läufer / Jogger

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