9. November 2014

Soziopathische Person in einer Führungsposition ist verheerend: ein Beispiel aus der Praxis

Was geschieht, wenn eine soziopathische Person eine Führungsposition in einem Geschäft innehat, konnte ich in den letzten Monaten selbst beobachten. Die Geschäftsführerin eines Unternehmens im Sozialbereich (ein Pflegezentrum) mit mehr als 100 Angestellten, in das ich seit rund 8 Monaten sehr guten, täglichen Einblick habe, ist eine soziopathische Persönlichkeit. Allerdings war mir dies bis vor wenigen Tagen überhaupt nicht bewusst. Erst durch exakte Beobachtung und minutiöse Ursachensuche war ich in der Lage zu erkennen, was in diesem Unternehmen vor sich geht und wer die Verantwortung dafür trägt.

Kündigungen, Unfälle, Krankheiten

Nachdem monatelang alles einigermassen normal zu laufen schien zwar gab es immer mal wieder Probleme, aber wo gibt es die nicht? , stellte sich im Verlaufe der letzten Wochen bei den Mitarbeitern derjenigen Abteilung, in die ich Einblick habe, eine deutliche Häufung von Kündigungen, Krankheiten und Unfällen ein. Angestellte wurden krank, hatten Unfälle, weinten, und/oder konnten einfach nicht mehr.

Durch diese Ausfälle entstand auf der entsprechenden Abteilung für kurze Zeit ein geradezu dramatisches Durcheinander und ein Pflegenotstand, welcher auch die Sicherheit der zu Pflegenden ernsthaft gefährdete. Die Geschäftsführung reagierte mit einer fast panikartigen Einstellung von neuen Mitarbeitern, mehrere davon temporär, da so kurzfristig offenbar kaum andere Personen verfügbar waren. Im Zusammenhang mit dem Notstand und Durcheinander wurde auch von Führungspersonal ausserhalb der Abteilung und der Geschäftsleitung selbst mehrmals der Begriff "Feuer löschen" verwendet, und genau das war es auch, ein Feuerwehreinsatz.

Mir persönlich fielen die Ausfälle der bisherigen Mitarbeiter anfangs gar nicht sonderlich auf, schliesslich sieht man immer einmal wieder die eine oder andere Mitarbeiterin, diesen oder jenen Mitarbeiter für einige Tagen oder Wochen nicht, sei es, weil die betreffende Person gerade Ferien hat, zu anderen Tageszeiten arbeitet, Nachtwache hat usw. Was mir jedoch auffiel waren die vielen neuen Gesichter. Während auf dieser Abteilung bis vor etwa zwei Monaten nur ab und zu eine neue Angestellte oder ein neuer Angesteller auftauchte, begann ich mich in den letzten drei Wochen mehr und mehr über die ständig neuen Mitarbeiter zu wundern. Am Ende hatte ich den Eindruck praktisch jeden zweiten Tag ein neues Gesicht zu sehen, einmal waren es gar zwei neue an einem einzigen Tag.

Die neue Co-Abteilungsleiterin, eine hervorragende, engagierte und sehr feinfühlige Frau, die vor rund drei Monaten eingestellt worden war um die entsprechende Abteilung mit etwa 25 Mitarbeitern zu stabilisieren, kündigte bereits in der Probezeit wieder. Die bisherige Abteilungsleiterin, die sich die Leitung gemeinsam mit der neuen Person teilte, hatte vor wenigen Wochen einen ziemlich schweren Unfall (sicher kein Zufall bei dem Arbeitsklima und Druck), welcher sie mindestens zwei Monate ausser Gefecht setzt. In den ersten zwei Wochen ihrer Anstellung war die neue Abteilungsleiterin sehr präsent gewesen voll da! , in den letzten Wochen hatte ich sie immer weniger wahrgenommen. Bei einem kurzen Austausch mit ihr vor gut zwei Wochen hatte ich eine abgekämpfte und stark erschöpfte Frau vor mir, kein Vergleich mehr mit dem Beginn. Ich hatte den Eindruck, dass diese Frau von einer unsichtbaren Kraft ausgesaugt worden war oder exakter: gegen eine Wand gelaufen. Vor einigen Tagen erfuhr ich, dass sie noch in der Probezeit gekündigt hat.

Eine positive und aufgestellte Mitarbeiterin brach beim Abendessen der Bewohner des Pflegezentrums in Tränen aus. Sie meinte, dies sei heute ihr letzter Tag, sie wolle eigentlich nicht gehen, aber es ginge einfach nicht mehr. Eine andere, neu eingestellte, sehr freundliche Mitarbeiterin kündigte bereits nach drei Tagen. Sie meinte, das sei die Hölle hier, null Team und jeder schaut nur für sich.

Was ist da los?

Derart alarmiert wollte ich nun genauer wissen, was vor sich ging. Aus meiner Vergangenheit und Erfahrung weiss ich mittlerweile, dass solch dramatische Häufungen von Ausfällen (Kündigungen, Krankheiten, Unfälle etc.) so gut wie nie ein rein organisatorisches oder administratives Problem sind und schon gar nicht Zufall , sondern die Folge des Wirkens einer oder mehrerer soziopathischen Personen irgendwo im Betrieb. Also begann ich mir die Frage zu stellen, WER ist es? Zuerst hatte ich eine gewöhnliche Mitarbeiterin auf der betreffenden Abteilung im Verdacht, die gegen Aussen und gegenüber Besuchern meist sehr freundlich und nett ist, hinten herum und gegenüber den Bewohnern des Pflegezentrums, wie ich erfuhr, manchmal aber ganz schön herrisch und giftig sein kann.

Schliesslich suchte ich auch den Kontakt mit der Führungsetage. Nach einem Gespräch mit der Leiterin Pflege, der zweithöchsten Person im Betrieb, realisierte ich schliesslich, was wirklich los war und vor sich ging. Die Mitarbeiterin auf der Abteilung, die ich zuerst im Verdacht hatte, war nicht Täter, sondern Opfer. Durch den unmenschlichen Druck und den destruktiven Führungsstil der Geschäftsleiterin hatte sie gar keine andere Wahl als ihre aufgestauen Aggressionen irgendwo zu deponieren, wollte sie selbst nicht zugrunde gehen.

Nach einer kurzen Recherche im Internet war dann endgültig alles klar. Was im Pflegezentrum in der letzten Zeit vor sich geht, ist nicht das erste Durcheinander und nicht das erste Zusammenbrechen einer Abteilung seit die aktuelle Geschäftsführerin, die mittlerweile seit rund vier Jahren (2010) dieses Pflegezentrum leitet, hier agiert. Bereits in der Vergangenheit waren Massenproteste von Mitarbeitern, Häufung von Kündigungen usw. vorgekommen. Einmal schrieben 20 Mitarbeiterinnen einen Brief an den Stiftungsrat mit der Bitte um Klärung der angespannten Situation. Es gab sogar öffentlichen Aufruhr mit Zeitungsberichten über den fragwürdigen Führungsstil der Geschäftsleiterin, der das Klima vergiftet, eine Interpellation (Anfrage) und entsprechende Stellungnahme des Gemeinderats in einer Gemeindeversammlung etc. Der Stiftungsrat stellte sich jedoch stets hinter die Geschäftsführerin.

An ihrer vorherigen Arbeitsstelle als Leiterin eines Alterszentrums im Nachbarkanton existierte eine extrem hohe Personalfluktuation von 30 Prozent. Das bedeutet: Innerhalb eines einzigen Jahres wurden 30 Prozent der Mitarbeiter ersetzt, nicht wenige davon langjährige, bewährte Kräfte. In der dreieinhalbjährigen Zeit ihrer Regentschaft dieses Alterszentrums (2007 bis 2010) wurde somit, zumindest zahlenmässig, die gesamte Belegschaft von 100 Personen ausgetauscht. Der Präsident der Trägerschaft der früheren Arbeitsstelle meinte 2013: "Die Geschäftsführerin hat alles auf den Kopf gestellt. Sie war eine Selbstdarstellerin, die es nicht interessierte, wie das Zentrum vorher geleitet wurde, sondern sie drückte einfach ihre Anweisungen durch."

Auch war und ist diese Geschäftsführerin in Vergangenheit und Gegenwart in mehrere Gerichtsprozesse involviert. Auch das sicher kein Zufall und ein Indiz dafür in welcher Welt diese Frau lebt.

Offenbar ist das Vorgehen dieser soziopathischen Geschäftsführerin an neuen Arbeitsstellen in etwa das folgende: Zuerst wird ein enormer Druck auf die direkt Untergebenen ausgeübt bis diese nicht mehr können und kündigen. Anschliessend werden diese direkt Untergebenen durch Personen ersetzt, welche linientreu und der Geschäftsführerin gefügig sind. Gleichzeitig wird Druck nach weiter unten in der Hierarchie ausgeübt (von der Geschäftsführerin selbst und den linientreuen Untergebenen), bis nicht wenige der besten und fähigsten Mitarbeiter der unteren Stufen irgendwann aufgeben und weggehen. Zurück bleiben angepasste und sich mit der unbefriedigenden Situation arrangierende Mitarbeiter oder hervorragende Mitarbeiter, die enorm leiden. Neu eingestellte sehr gute Mitarbeiter kündigen nicht selten schon nach kurzer Zeit wieder, weil sie sich dieses "Theater" schlicht nicht antun wollen. Dass die Geschäftsführerin das eigentliche Problem ist, wird in diesem fortgeschrittenen Stadium meist gar nicht mehr erkannt, da die Sicht auf die Wahrheit von linientreuen Untergebenen verschleiert/verdeckt wird und falsche Leute beschuldigt werden (jeder kämpft gegen jeden).

In etwa so dürfte es auch in der ehemaligen DDR mit dem ganzen Stasi-Apparat abgelaufen sein. Viele der konstruktivsten und besten Bürger des Staates hatten irgendwann die Schnauze voll und sind unter Einsatz ihres Lebens in den Westen geflüchtet ... oder unter dem unmenschlichen Macht-Apparat zugrunde gegangen.

Warum stellt man eine solche Person als Geschäftsleiterin ein?

Schwierige Frage. Aber wenn eine Frau dynamisch und überzeugend auftritt, einigermassen präsentabel aussieht, wenn sie (auf dem Papier) gute Qualifikationen mitbringt, warum soll man sie dann nicht einstellen? Allerdings dürften (und müssten!) gezielte und mehrfache Auskünfte bei früheren Arbeitgebern bereits an diesem Punkt weiterhelfen und die Anstellung verhindern. In diesem Falle dürften die Beweggründe des Stiftungsrates aber wohl finanzielle gewesen sein: Weil der Vorgänger zu grosszügig mit Geld umging und rote Zahlen schrieb, wurde mehr oder weniger bewusst eine gefühlskalte Person eingestellt mit dem klaren Schwerpunkt die Finanzen in Ordnung zu bringen.

Die vielleicht noch wichtigere Frage lautet jedoch: Warum kann sich eine solche Geschäftsleiterin trotz zahlreicher und immer wiederkehrender massivster Proteste von verschiedenster Seite bis in die obersten Etagen (Stiftungsrat) in ihrer Position halten? Warum durchschaut der Verwaltungsrat/Stiftungsrat die Machenschaften dieser Person nicht, lässt sie gewähren und ihre eigenen Mitarbeiter tyrannisieren?

Meine Antwort: Die soziopathische Persönlichkeit ist extrem gut getarnt, kann sehr überzeugend sein und hat meist jahrzehntelanges Training in ihren Verhüllungs- und Vernebelungstaktiken sowie Manipulationstechniken. Die Menschen erkennen solche Personen nicht, weil sie sich zu sehr von der Oberfläche (Schein) beeindrucken lassen, weil sie oft ihren Augen und ihrem Verstand (dem Sichtbaren) mehr trauen als ihren Wahrnehmungen, ihrem Herzen und ihrem Gefühl (dem Unsichtbaren), und ganz entscheidend , weil sich viele eine solche Gefühlskälte schlicht nicht vorstellen können, nicht einmal ansatzweise. Ein weiterer Grund: In der heutigen Geschäftswelt sind Zahlen häufig wichtiger als Zwischenmenschliches.

Für mich persönlich ist trotzdem interessant zu sehen, dass der Stiftungsrat und insbesondere der Stiftungsratspräsident als Hauptverantwortlicher offenbar nicht erkennen, was in diesem Pflegeunternehmen vor sich geht und welchen Schaden diese Geschäftsführerin anrichtet.

Da ein Pflegeunternehmen zu 90 Prozent von engagierten und am Wohl der zu Pflegenden aufrichtig interessierten Mitarbeitern an der Basis getragen wird, kann trotz einer solchen Geschäftsführerin immer noch eine mässige bis durchschnittliche Arbeitsleistung des Gesamtunternehmens resultieren (die DDR hat schliesslich auch eine Zeit lang einigermassen funktioniert). Eine konstruktive Person an der Spitze würde aber natürlich einen Quantensprung in Richtung höherer Pflegequalität, Sicherheit und Zufriedenheit von Mitarbeitern, Bewohnern und deren Angehörigen bedeuten. Eine massive Kostenreduktion und Steigerung der Wirtschaftlichkeit des Gesamtunternehmens wäre ebenfalls die Folge. Die ständigen Wirbel und das Durcheinander, die Schlichtungsgespräche, Kündigungen, Neueinstellungen usw. verursachen natürlich Zusatzkosten.

Die soziopathische Persönlichkeit

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